16.10.73

Don’t Look Now (Nicolas Roeg, 1973)

Wenn die Gondeln Trauer tragen

»Seeing is believing.« Ein Kind ertrinkt beim Spielen. Der Tod der Tochter läßt die Eltern traumatisiert zurück. Im spätherbstlichen Venedig suchen Jack und Laura Baxter (Donald Sutherland und Julie Christie) nach einer Möglichkeit, ihren Schmerz zu bewältigen – doch aus den Kanälen der Lagunenstadt steigt die Erinnerung wie gefährlicher Nebel, durch den das gestorbene Mädchen zu spuken scheint … Nicolas Roeg löst die Geschichte des im Unglück verbundenen Ehepaares konsequent aus der chronologischen Ordnung: Die Zeit erweist sich als so labyrinthisch wie die Topographie des morbiden Schauplatzes, an dem sich Diesseits und Jenseits überschneiden. Wiederkehrende Motive, allesamt symbolisch aufgeladen – zerspringendes Glas, Spiegelungen im Wasser, Stürze und Ohnmachten, leuchtendes Rot –, schaffen Bezüge zwischen den Ebenen. In Venedig, wo Jack im Auftrag des Bischofs eine mittelalterliche Kirche restauriert, macht Laura die Bekanntschaft zweier sonderbarer Schwestern, deren eine – blind – mit dem zweiten Gesicht begabt (oder: bestraft) ist. Während Laura, fasziniert und unbefangen, den Kontakt zur anderen Seite sucht, reagiert Jack ablehnend und aggressiv – vielleicht, weil er sich die eigene Anlage zur außersinnlichen Wahrnehmung nicht eingestehen will … Ein parapsychologisches Melodram, ein metaphysischer Thriller über Ahnungen und Bedrohungen, über Warnungen und Täuschungen, ein experimenteller Genrefilm, der wie in Trance von Glauben und Skepsis erzählt: »Nothing is what it seems.«

R Nicolas Roeg B Allen Scott, Chris Bryant V Daphne du Maurier K Anthony Richmond M Pino Donaggio A Giovanni Soccol S Graeme Clifford P Peter Katz D Donald Sutherland, Julie Christie, Hilary Mason, Clelia Matania, Massimo Serrato | UK & I | 110 min | 1:1,85 | f | 16. Oktober 1973

# 913 | 9. Oktober 2014

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen