9.10.70

Der amerikanische Soldat (Rainer Werner Fassbinder, 1970)

»Alone you start my friend, / Alone is now an end.« Richard ›Ricky‹ von Rezzori (Karl Scheydt), gebürtiger Münchner, als US-Soldat im Vietnamkrieg aktiv (»Wie war es?« – »Laut.«), kehrt in seine Heimatstadt zurück: als Killer, der von drei Polizisten angeheuert wird, ein paar nicht zu belangende Kriminelle abzuschießen … Eine vollsynthetische Gangsterfilmaufstellung, Klischees im Spiegel im Spiegel im Spiegel: coole Männer mit Anzügen und Hüten, Frauen als dekoratives oder störendes Beiwerk; Freundschaft, Betrug, Geschäft, Verzweiflung, unterdrückte Leidenschaft, leidenschaftliche Unterdrückung; der Spieltisch, das Polizeirevier, das Hotel, die Bar, das Auto, der Bahnhof. Rainer Werner Fassbinder schickt seinen einsilbigen Protagonisten auf eine absurde Reise ins Herz der Finsternis, und läßt ihn auf seinem Weg jenen absonderlichen Nebenfiguren begegnen, ohne die kein seriöser (oder unseriöser) Genrebeitrag auskommt: Da sind ein schwuler Zigeuner (Ulli Lommel), eine versoffene Informantin (Katrin Schaake), ein verzweifelt bruderliebender Bruder (Kurt Raab), eine leidgefrorene Mutter (Eva Ingeborg Scholz), eine blauäugige Nutte (»Ich mag ihn.« – »Den Killer?« – »Der ist lieb.«) (Elga Sorbas als ›Rosa von Praunheim‹), ein desperates Zimmermädchen (Margarethe von Trotta), das – als Vorahnung eines kommenden Fassbinder-Films – die Geschichte einer 60jährigen Putzfrau und ihrer tragischen Liebe zu einem jüngeren Türken erzählt: »Das Glück ist nicht immer lustig.« Und das Unglück, so scheint es, ist nicht immer traurig.

R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder K Dietrich Lohmann M Peer Raben A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Karl Scheydt, Jan George, Elga Sorbas, Margarethe von Trotta, Eva Ingeborg Scholz | BRD | 80 min | 1:1,37 | sw | 9. Oktober 1970

# 894 | 9. Juli 2014

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