4.5.54

Rosen-Resli (Harald Reinl, 1954)

»Hat man nicht manchmal den Wunsch, ganz neu zu beginnen?« (West-)Deutschland, ein knappes Jahrzehnt nach dem Krieg: emsige Geschäftigkeit und drückende Sorgen, zerrissene Bindungen und Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit, hinterhältige Spekulation und blindes Vertrauen in einen lieben Gott, der weiß, wozu es (= alles) gut ist. Harald Reinl verbindet die Widersprüche zu einem blühenden Kitsch-Film der konsequent falschen Töne, zu einem brennend süßen Kinder-Mütter-Rosen-Melodram, so atemberaubend unecht, so schmalzig, so künstlich, daß es auf schrille Weise wahrhaftig, entlarvend, ehrlich klingt. Das Personal der allegorischen Erzählung um eine herzige Kriegswaise (Christine Kaufmann), die zur Rettung ihrer herzkranken Pflegemutter (Käte Haack) Himmel, Menschen und Blumen in Bewegung setzt: patente Frauen, die ihren Mann stehen, aber (natürlich) viel lieber einen hätten, ein beschädigter Herr, dessen Unglück (natürlich) nicht aus eigenem Versagen sondern aus der edelmütigen Übernahme von fremder Schuld erwuchs, ein böser Verführer, der letzten Endes (natürlich) in seinem öligen Charme ertrinkt, ein guter, betagter Gärtner (Otto Gebühr, der ewige »Alte Fritz« des (reichs-)deutschen Films, »in der letzten Rolle seines Lebens«), der (natürlich) weiß, wie man den (immer noch) kostbaren Stock veredelt. Es ist das unschuldige, selbstlose Resli, das die wertvollen Kenntnisse des Vorvaters zu frischer, neuer Blüte treibt; die mittlere Generation nimmt das Wunder des sprießenden Rosenbuschs dankbar an.

R Harald Reinl B Maria Osten-Sacken, Harald Reinl V Johanna Spyri K Walter Riml M Bernhard Eichhorn A Heinrich Beisenherz S Gertrud Petermann P Paul Hans Fritsch D Christine Kaufmann, Josefin Kipper, Paul Klinger, Käte Haack, Arno Assmann, Otto Gebühr | BRD | 85 min | 1:1,37 | sw | 4. Mai 1954

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