10.12.68

The Magus (Guy Green, 1968)

Teuflische Spiele 

»We shall not cease from exploration / And the end of all our exploring / Will be to arrive where we started / And know the place for the first time.« Nicholas Urfe, ein selbstgefälliger junger Intellektueller (»I’ve got everything a poet needs, exept poems.« – Michael Caine), nimmt eine Stellung als Englischlehrer auf der griechischen Insel Phraxos an, um der bedrohlich ernsthaften Beziehung mit der Stewardess Anne (»I’ve got everything an air hostess needs, exept illusions.« – Anna Karina) zu entfliehen. Urfe gerät in den Bann des faszinierend-undurchsichtigen Maurice Conchis (Anthony Quinn), der mit seiner Entourage in einer prachtvollen Villa über der blau schimmernden Ägäis residiert. Conchis (≈ ›conscious‹ ≈ ›bewußt‹), dessen temperamentvolle Persona zwischen Magier und Nervenarzt, Krösus und Kriegsverbrecher, Filmproduzent und Gott irisiert, verwickelt seinen gefühlskalten Besucher unter Aufbietung antiker Mythen und griechischer Zeitgeschichte in zahlreiche Rollen- und Maskenspiele um Liebe und Verrat, Risiko und Glück, Wahrheit und Schuld – Spiele, die letztlich keinem anderen Zweck dienen, als einen Irrenden auf den Weg zu sich selbst zu schicken … Auch wenn ein halluzinatorischer Exzentriker wie Nicolas Roeg vielleicht in tiefere Dimensionen des Stoffes hätte vorstoßen können, ist Guy Greens visuell elegante, bisweilen die Grenzen zum Camp überschreitende Adaption des Romans von John Fowles (der selbst das Drehbuch schrieb) ein bemerkenswertes (und unterhaltsames) Erzählexperiment: »The Magus« verwischt ganz allmählich die Trennlinien zwischen Realität (≈ Erlebnis) und Imagination (≈ Projektion), mündet in einen happeningartigen, fantastisch-burlesken Karneval der Seelen und endet gleichsam schwebend, ohne Aufschluß über die tatsächlichen Hintergründe des Geschehens zu geben: »Now, I will show you something. The ultimate reality … the smile.«

R Guy Green B John Fowles V John Fowles K Billy Williams M John Dankworth A Donald M. Ashton S Max Benedict P Jud Kinberg, John Kohn D Michael Caine, Anthony Quinn, Candice Bergen, Anna Karina, Julian Glover | UK | 117 min | 1:2,35 | f | 10. Dezember 1968

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