Geld spielt keine Rolle
Kurz vor dem ersten Todestag des Elektronik-Tycoons Charles P. Albright (»referred to as the ›father of television‹«) ist dessen vor 25 Jahren verlorengegangener Sohn noch immer abhanden. Es bleibt nur mehr eine Woche, um dem Erben des riesigen Vermögens auf die Spur zu kommen, bevor das Geld an die Schwester des Verewigten (Mae »Boop-Oop-a-Doop« Questel) fällt, die eine Belohnung von 100.000 Dollar für die Auffindung ihres Neffen ausgesetzt hat ... Lester March (Jerry Lewis), ehemaliger Waisenhauszögling, Technikfreak, Betreiber eines Fernsehreperaturdienstes (Nachtigall, man hört dich trapsen) – und: begeisterter Leser von Kriminalromanen (»Kiss the Blood Off My Neck«, »The Case of the Homicidal Homing Pigeon«, »Death Takes a Coffee Break«) – macht sich als Assistent eines Privatdetektivs auf die Jagd nach dem Gesuchten. Frank Tashlin schickt dem unbedarft-entschlossenen Amateurermittler einen geldgierigen Anwalt (oberschurkisch: Zachary Scott), einen mordlustigen Butler (»president of the Peter Lorre fan club«: Jack Weston), eine Armada von automatischen Rasenmähern sowie eine liebende Krankenschwester (blond: Joan O’Brien) in die Quere, und würzt die, von W. Wallace Kelley in kristallklarem Schwarzweiß fotografierte, aberwitzige Noirpersiflage mit ingeniösen Bilderfindungen. Einen skurrilen Glanzpunkt tashlinesker Komik bildet (neben der Visualisierung eines stereophonischen Eisenbahngeräuschs) jene Szene, in der Lester das Gemälde des vollbärtigen Patriarchen Albright rasiert, um zu beweisen, daß er selbst kein anderer als der vermißte Abkömmling ist: »Try ›Junior‹. I like that.«
R Frank Tashlin B John Fenton Murray K W. Wallace Kelley M Walter Scharf A Hal Pereira, Tambi Larsen S Arthur P. Schmidt P Paul Jones D Jerry Lewis, Zachary Scott, Mae Questel, Joan O’Brien, Jack Weston | USA | 83 min | 1:1,85 | sw | 21. November 1962
# | 8. September 2017
21.11.62
26.10.62
What Ever Happended to Baby Jane? (Robert Aldrich, 1962)
Was geschah wirklich mit Baby Jane?
Unsere Leichen leben noch: Bette Davis und Joan Crawford, deren Pfirsichblüte gefühlte 100.000 Flaschen Champagner (bzw. Pepsi Cola) zurückliegt, in einer vulgär-expressionistischen Showbiz-Horror-Burleske. Robert Aldrich exemplifiziert an der Geschichte zweier alt gewordener Ex-Stars, der in verzehrendem Haß miteinander verschraubten Hudson-Schwestern – Baby Jane (das kindisch-blonde Gift) und Blanche (die brünette (nicht ganz so unschuldige) Unschuld) –, Oscar Levants Schmähruf auf die Traumfabrik: »Behind the phony tinsel of Hollywood lies the real tinsel.« Während Baby Jane, umfangen von Schall und Wahn (vor allem Wahn) des längst vergangenen Ruhms, in den Ruinen ihrer glänzenden Vergangenheit lebt, sitzt die einst schönere und begabtere Blanche, der psychotischen Schwester hilflos ausgeliefert, gelähmt im Rollstuhl (und muß sich auch schon mal eine gebratene Ratte servieren lassen). In einer grauenhaft komischen Sado-Maso-Geisterbahnfahrt durch Schuld, Lebenslügen und (Zicken-)Terror werden die offenen Rechnungen des blutsverwandten Alptraumpaares immer wieder neu beglichen.
R Robert Aldrich B Lukas Heller V Henry Farrell K Ernest Haller M Frank De Vol A William Glasgow S Michael Luciano P Robert Aldrich D Bette Davis, Joan Crawford, Victor Buono, Wesley Addy, Maidie Norman | USA | 134 min | 1:1,85 | sw | 26. Oktober 1962
Unsere Leichen leben noch: Bette Davis und Joan Crawford, deren Pfirsichblüte gefühlte 100.000 Flaschen Champagner (bzw. Pepsi Cola) zurückliegt, in einer vulgär-expressionistischen Showbiz-Horror-Burleske. Robert Aldrich exemplifiziert an der Geschichte zweier alt gewordener Ex-Stars, der in verzehrendem Haß miteinander verschraubten Hudson-Schwestern – Baby Jane (das kindisch-blonde Gift) und Blanche (die brünette (nicht ganz so unschuldige) Unschuld) –, Oscar Levants Schmähruf auf die Traumfabrik: »Behind the phony tinsel of Hollywood lies the real tinsel.« Während Baby Jane, umfangen von Schall und Wahn (vor allem Wahn) des längst vergangenen Ruhms, in den Ruinen ihrer glänzenden Vergangenheit lebt, sitzt die einst schönere und begabtere Blanche, der psychotischen Schwester hilflos ausgeliefert, gelähmt im Rollstuhl (und muß sich auch schon mal eine gebratene Ratte servieren lassen). In einer grauenhaft komischen Sado-Maso-Geisterbahnfahrt durch Schuld, Lebenslügen und (Zicken-)Terror werden die offenen Rechnungen des blutsverwandten Alptraumpaares immer wieder neu beglichen.
R Robert Aldrich B Lukas Heller V Henry Farrell K Ernest Haller M Frank De Vol A William Glasgow S Michael Luciano P Robert Aldrich D Bette Davis, Joan Crawford, Victor Buono, Wesley Addy, Maidie Norman | USA | 134 min | 1:1,85 | sw | 26. Oktober 1962
25.10.62
Das zweite Gleis (Joachim Kunert, 1962)
Ein kleines Nest irgendwo in der DDR: Walter Brock (Albert Hetterle), Fahrdienstleiter auf einem Rangierbahnhof, stellt einen Dieb, läßt ihn jedoch laufen, weil es sich bei dem Mann (wie sich zeigen wird) um ein Gespenst aus seiner Vergangenheit handelt. Mit den Augen von Brocks Tochter Vera (Annekathrin Bürger) bewegt sich der Film gleichsam durch den dichten Dampf der Lokomotiven und über das Gewirr der Gleise, um Licht ins Dunkel einer trüben (Familien-)Geschichte zu bringen (Drehbuch: Günter Kunert – der Lyriker). In wohlkomponierten, extrem kontrastreichen Schwarzweißbildern (Kamera: Rolf Sohre), zu bald verträumt, bald schrill tönenden Harfenklängen erzählt »Das zweite Gleis« einprägsam-beklemmend von Schuld und Verdrängung, von Vertrauen und Täuschung, von Feigheit und (zu) später Reue.
R Joachim Kunert B Günter Kunert, Joachim Kunert K Rolf Sohre M Pavel Simai A Gerhard Helwig S Christel Röhl P Bernhard Gelbe D Albert Hetterle, Annekathrin Bürger, Horst Jonischkan, Walter Richter-Reinick, Helga Göring | DDR | 80 min | 1:1,37 | sw | 25. Oktober 1962
R Joachim Kunert B Günter Kunert, Joachim Kunert K Rolf Sohre M Pavel Simai A Gerhard Helwig S Christel Röhl P Bernhard Gelbe D Albert Hetterle, Annekathrin Bürger, Horst Jonischkan, Walter Richter-Reinick, Helga Göring | DDR | 80 min | 1:1,37 | sw | 25. Oktober 1962
Labels:
Bahnhof,
Bürger,
Erinnerung,
Familie,
Günter Kunert,
Joachim Kunert,
Krimi,
Noir
24.10.62
The Manchurian Candidate (John Frankenheimer, 1962)
Botschafter der Angst
Herrlich kaltschnäuzige Mischung aus Paranoia-Thriller und Politsatire – in puncto spöttisch-surrealer Bösartigkeit wird nur Stanley Kubricks Nuklearfarce »Dr. Strangelove« Vergleichbares bieten. Selten wurde der US-Staats- und Medienzirkus gnadenloser vorgeführt, selten wurden das Thema »american angst« raffinierter verhandelt als in John Frankenheimers Story eines von den Kommunisten gehirngewaschenen All-american-Schläfers (Laurence Harvey), der den Präsidentschaftskandidaten abknallen soll. Dank Angela Lansburys lustvoll-monströser Matronen-Performance entwickelt sich »The Manchurian Candidate« zudem (neben Alfred Hitchcocks »Psycho«) zu einem der ganz großen Mutter-Horror-Filme: »You know that I want nothing for myself. You know that my whole life has been devoted to helping you ...« – »Mother, stop it!«
R John Frankenheimer B George Axelrod V Richard Condon K Lionel Lindon M David Amram A Richard Sylbert S Ferris Webster P John Frankenheimer, George Axelrod D Frank Sinatra, Laurence Harvey, Janet Leigh, Angela Lansbury, Henry Silva | USA | 126 min | 1:1,85 | sw | 24. Oktober 1962
Herrlich kaltschnäuzige Mischung aus Paranoia-Thriller und Politsatire – in puncto spöttisch-surrealer Bösartigkeit wird nur Stanley Kubricks Nuklearfarce »Dr. Strangelove« Vergleichbares bieten. Selten wurde der US-Staats- und Medienzirkus gnadenloser vorgeführt, selten wurden das Thema »american angst« raffinierter verhandelt als in John Frankenheimers Story eines von den Kommunisten gehirngewaschenen All-american-Schläfers (Laurence Harvey), der den Präsidentschaftskandidaten abknallen soll. Dank Angela Lansburys lustvoll-monströser Matronen-Performance entwickelt sich »The Manchurian Candidate« zudem (neben Alfred Hitchcocks »Psycho«) zu einem der ganz großen Mutter-Horror-Filme: »You know that I want nothing for myself. You know that my whole life has been devoted to helping you ...« – »Mother, stop it!«
R John Frankenheimer B George Axelrod V Richard Condon K Lionel Lindon M David Amram A Richard Sylbert S Ferris Webster P John Frankenheimer, George Axelrod D Frank Sinatra, Laurence Harvey, Janet Leigh, Angela Lansbury, Henry Silva | USA | 126 min | 1:1,85 | sw | 24. Oktober 1962
Labels:
Axelrod,
Drama,
Frankenheimer,
Harvey,
Janet Leigh,
Kommunismus,
Koreakrieg,
Krieg,
Mutter,
New York,
Paranoia,
Politik,
Satire,
Sinatra,
Thriller,
Washington D.C.
5.10.62
Dr. No (Terence Young, 1962)
James Bond 007 jagt Dr. No
Mit schmalem Budget liefert »Dr. No« die Blaupause für das jahrzehntelang gültige, ebenso einfache wie effektive Konstruktionsprinzip ›Bond‹: Der Protagonist, attraktive Verkörperung des Guten, ausgestattet mit allen inneren und äußeren Freiheiten, insbesondere jener, töten zu dürfen, wann immer es ihm beliebt, tritt an gegen das fleischgewordene Böse, will sagen: gegen die Negation der Freiheit – und triumphiert: Der ›Eros des Westens‹ (des Individualismus, der Liberalität, des Versprechens auf Glück) siegt über den ›Geist, der stets verneint‹. Orte des Geschehens sind ein holzgetäfeltes Amtszimmer in London (als Ausgangspunkt der gefährlichen Exkursion und allzeit sicherer Hafen) sowie diverse fotogene Weltgegenden und alarmierend extravagante Interieurs; Frauen (= girls) zeigen sich (freizügig) von ihrer appetitlichen und willigen Seite; die Erzählung verarbeitet allerkleinste Fetzen von Realität zu einem überlebensgroßen Sex&Crime-Märchen für Erwachsene. In »Dr. No« (man beachte den schlicht-genialen Rollennamen des Widersachers (und Versuchers), der von Joseph Wiseman mit mabusehafter Dämonie interpretiert wird) spielt Terence Young alle Motive mit leichter Hand durch, läßt jedoch die Entwicklung von Spannung zugunsten einer gewissen, von Ursula Andress inkarnierten, karibischen Lässigkeit in den Hintergrund treten: »Underneath the mango tree / Me honey and me can watch for the moon. / Underneath the mango tree / Me honey and me make boolooloop soon.«
R Terence Young B Richard Maibaum, Johanna Herwood, Berkely Mather V Ian Fleming K Ted Moore M Monty Norman A Ken Adam S Peter Hunt P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman, Anthony Dawson, Bernard Lee | UK | 110 min | 1:1,85 | f | 5. Oktober 1962
Mit schmalem Budget liefert »Dr. No« die Blaupause für das jahrzehntelang gültige, ebenso einfache wie effektive Konstruktionsprinzip ›Bond‹: Der Protagonist, attraktive Verkörperung des Guten, ausgestattet mit allen inneren und äußeren Freiheiten, insbesondere jener, töten zu dürfen, wann immer es ihm beliebt, tritt an gegen das fleischgewordene Böse, will sagen: gegen die Negation der Freiheit – und triumphiert: Der ›Eros des Westens‹ (des Individualismus, der Liberalität, des Versprechens auf Glück) siegt über den ›Geist, der stets verneint‹. Orte des Geschehens sind ein holzgetäfeltes Amtszimmer in London (als Ausgangspunkt der gefährlichen Exkursion und allzeit sicherer Hafen) sowie diverse fotogene Weltgegenden und alarmierend extravagante Interieurs; Frauen (= girls) zeigen sich (freizügig) von ihrer appetitlichen und willigen Seite; die Erzählung verarbeitet allerkleinste Fetzen von Realität zu einem überlebensgroßen Sex&Crime-Märchen für Erwachsene. In »Dr. No« (man beachte den schlicht-genialen Rollennamen des Widersachers (und Versuchers), der von Joseph Wiseman mit mabusehafter Dämonie interpretiert wird) spielt Terence Young alle Motive mit leichter Hand durch, läßt jedoch die Entwicklung von Spannung zugunsten einer gewissen, von Ursula Andress inkarnierten, karibischen Lässigkeit in den Hintergrund treten: »Underneath the mango tree / Me honey and me can watch for the moon. / Underneath the mango tree / Me honey and me make boolooloop soon.«
R Terence Young B Richard Maibaum, Johanna Herwood, Berkely Mather V Ian Fleming K Ted Moore M Monty Norman A Ken Adam S Peter Hunt P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman, Anthony Dawson, Bernard Lee | UK | 110 min | 1:1,85 | f | 5. Oktober 1962
Labels:
Action,
Andress,
Connery,
James Bond,
Karibik,
Maibaum,
Spionage,
Terence Young,
Thriller
28.9.62
Das Gasthaus an der Themse (Alfred Vohrer, 1962)
»Von abends bis morgens / geschieht so mancherlei.« Ein geheimnisvoller Taucher (genannt »der Hai«) treibt in London sein harpunierendes Unwesen. Der schwarze Gummimann dezimiert vor allem die eigenen Leute, bis seine biedere Identität von ›Blacky‹ Fuchsberger (diesmal als Beamter der Flußpolizei) mehr oder weniger überraschend enthüllt wird. Der eigentlich Fall (einerseits Juwelen, andererseits Erbschleicherei) bleibt so undurchdringlich wie der wabernde Bühnennebel; wie häufig bei Edgar Wallace lauert hinter den schaubudenhaften Gruseleffekten eine (von Alfred Vohrer wohlig-flackernd illuminierte) Familienintrige Dickensschen Ausmaßes. Neben Klaus Kinski (als vermeintlicher russischer Gewürzhändler) und Jan Hendriks (als pokergesichtiger Ausputzer) schillert die majestätische Elisabeth Flickenschildt. Daß sich die markante Gründgens-Partnerin einmal als singende Schmuggel-Wirtin einer Kaschemme an der Themse würde verdingen müssen, konnte der »Führer« seinerzeit nicht ahnen, als er den Namen der Mimin (völlig zu recht) auf die Gottbegnadeten-Liste setzte.
R Alfred Vohrer B Trygve Larsen (= Egon Eis), Harald G. Petersson V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Mathias Matthies, Ellen Schmidt S Carl Otto Bartning P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Brigitte Grothum, Richard Münch, Jan Hendriks, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 92 min | 1:1,66 | sw | 28. September 1962
R Alfred Vohrer B Trygve Larsen (= Egon Eis), Harald G. Petersson V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Mathias Matthies, Ellen Schmidt S Carl Otto Bartning P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Brigitte Grothum, Richard Münch, Jan Hendriks, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 92 min | 1:1,66 | sw | 28. September 1962
Labels:
Edgar Wallace,
Flickenschildt,
Fuchsberger,
Kinski,
Krimi,
London,
Vohrer
27.9.62
… und deine Liebe auch (Frank Vogel, 1962)
»Der Wind auf der Warschauer Brücke, / das Licht und der weiße Rauch … / Weißt du, die brauch' ich zum Leben / … und deine Liebe auch.« Der Mauerbau als Riß durch die Geschichte, die Stadt, die Gefühle – aber auch als Schlußstrich, als Aufbruchsignal: »Irgendwo muß eine Grenze sein.« Ostberlin, 1961: Klaus (Ulrich Thein) fährt Taxi im Westen und lebt gut vom »Schwindelkurs«, sein Nenn-Bruder Ulli (Armin Mueller-Stahl) arbeitet als Elektriker bei Narva und schützt als Kampfgruppenmann die Sicherung der Staatsgrenze am 13. August. Zwischen den Männern steht außer der Politik auch die Postbotin Eva (Kati Székely), die sich erst vom viril-klassenfeindlichen Klaus schwängern läßt, um dann doch ihre Zuneigung zum sensibel-sozialistischen Ulli zu entdecken … Frank Vogels Film erscheint so gespalten wie das Land, in dem er spielt: Während der Gedankenstrom der hochtönenden Off-Kommentare (Drehbuch: Paul Wiens) die Errichtung des »antifaschistischen Schutzwalls« propagandistisch rechtfertigt, bleiben die dokumentarischen Bilder (Kamera: Günter Ost) ganz dicht am Puls der Zeit, tasten beweglich die urbane Topographie ab, blicken vorübereilenden Menschen neugierig in die Gesichter, fixieren beiläufig den historischen Moment, atmen die Luft, den Dunst, die Stimmung des Schauplatzes – Entschlossenheit und Tristesse, Lyrik und Agitation, cinéma vérité … et mensonge.
R Frank Vogel B Paul Wiens K Günter Ost M Hans-Dieter Hosalla A Werner Zieschang S Ella Ensink P Hans-Joachim Funk D Armin Mueller-Stahl, Ulrich Thein, Kati Székely, Marita Böhme, Alfonso Arau | DDR | 92 min | 1:1,37 | sw | 27. September 1962
R Frank Vogel B Paul Wiens K Günter Ost M Hans-Dieter Hosalla A Werner Zieschang S Ella Ensink P Hans-Joachim Funk D Armin Mueller-Stahl, Ulrich Thein, Kati Székely, Marita Böhme, Alfonso Arau | DDR | 92 min | 1:1,37 | sw | 27. September 1962
Labels:
(Real-)Sozialismus,
Berlin,
Drama,
Mueller-Stahl,
Ost/West,
Romanze,
Vogel,
Wiens
21.9.62
Thérèse Desqueyroux (Georges Franju, 1962)
Die Tat der Therese D.
»Pure, je l’étais. Un ange, oui. Mais un ange plein de passion.« Thérèse (verzweifelt-schön: Emmanuelle Riva), aus gutem Hause stammend, durch eine arrangierte Ehe mit dem wohlhabenden Waldbesitzer Bernard Desqueyroux (mopsig-blasiert: Philippe Noiret) verbunden, sucht der seelischen und geistigen Bedrängnis ihres provinziellen Wohlstandskerkers unter den stumm ragenden Kiefern der Landes de Gascogne zu entkommen, indem sie ihren hypochondrischen Gatten schleichend mit Arsen vergiftet. Das Mordvorhaben scheitert, doch der gute Name und die Ehre der Familie verbieten es, die Schuldige (die sich in einer Folge von Rückblenden über die Beweggründe ihrer Tat befragt) juristisch zur Rechenschaft zu ziehen. Georges Franjus Verfilmung des Romans von François Mauriac, von Christian Matras in elegischem Schwarzweiß fotografiert, macht Enge und Erstarrung der besitzbürgerlichen Welt, die nur Regeln und Rollen, weder Neugier noch Ungewißheit kennt, einer Welt, in der »être soi-même« ein unbotmäßiger Anspruch ist, auf beklemmende Weise spürbar. Die Kirchentür, die vor der Hochzeit zugeschlagen wird, eine Taube, die hilflos im Fangnetz flattert, die fehlenden Bilder im Fotoalbum, sie sprechen von einem Leben, das (nicht nur manchmal) dem Tode gleicht. Warum sie es getan habe, will Bernard (der sich der Motive für sein Handeln stets gewiß ist) am Ende ihres gemeinsamen Weges von Thérèse erfahren. Um wenigstens für einen Augenblick, antwortet sie nach kurzem Zögern, den Ausdruck von Unruhe auf seinem Gesicht zu sehen.
R Georges Franju B François Mauriac, Claude Mauriac, Georges Franju V François Mauriac K Christian Matras M Maurice Jarre A Jacques Chalvet S Gilbert Natot P Eugène Lépicier D Emmanuelle Riva, Philippe Noiret, Edith Scob, Sami Frey, Renée Devillers | F | 109 min | 1:1,66 | sw | 21. September 1962
# 1118 | 29. Mai 2018
»Pure, je l’étais. Un ange, oui. Mais un ange plein de passion.« Thérèse (verzweifelt-schön: Emmanuelle Riva), aus gutem Hause stammend, durch eine arrangierte Ehe mit dem wohlhabenden Waldbesitzer Bernard Desqueyroux (mopsig-blasiert: Philippe Noiret) verbunden, sucht der seelischen und geistigen Bedrängnis ihres provinziellen Wohlstandskerkers unter den stumm ragenden Kiefern der Landes de Gascogne zu entkommen, indem sie ihren hypochondrischen Gatten schleichend mit Arsen vergiftet. Das Mordvorhaben scheitert, doch der gute Name und die Ehre der Familie verbieten es, die Schuldige (die sich in einer Folge von Rückblenden über die Beweggründe ihrer Tat befragt) juristisch zur Rechenschaft zu ziehen. Georges Franjus Verfilmung des Romans von François Mauriac, von Christian Matras in elegischem Schwarzweiß fotografiert, macht Enge und Erstarrung der besitzbürgerlichen Welt, die nur Regeln und Rollen, weder Neugier noch Ungewißheit kennt, einer Welt, in der »être soi-même« ein unbotmäßiger Anspruch ist, auf beklemmende Weise spürbar. Die Kirchentür, die vor der Hochzeit zugeschlagen wird, eine Taube, die hilflos im Fangnetz flattert, die fehlenden Bilder im Fotoalbum, sie sprechen von einem Leben, das (nicht nur manchmal) dem Tode gleicht. Warum sie es getan habe, will Bernard (der sich der Motive für sein Handeln stets gewiß ist) am Ende ihres gemeinsamen Weges von Thérèse erfahren. Um wenigstens für einen Augenblick, antwortet sie nach kurzem Zögern, den Ausdruck von Unruhe auf seinem Gesicht zu sehen.
R Georges Franju B François Mauriac, Claude Mauriac, Georges Franju V François Mauriac K Christian Matras M Maurice Jarre A Jacques Chalvet S Gilbert Natot P Eugène Lépicier D Emmanuelle Riva, Philippe Noiret, Edith Scob, Sami Frey, Renée Devillers | F | 109 min | 1:1,66 | sw | 21. September 1962
# 1118 | 29. Mai 2018
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Herrenhaus,
Noiret,
Riva,
Wald
7.9.62
Das Testament des Dr. Mabuse (Werner Klingler, 1962)
Déjà vu: Der wahnsinnige Dr. Mabuse (Wolfgang Preiss) sitzt in einer Zelle der Nervenklinik von Professor Pohland (Walter Rilla) und notiert seine Pläne zur Herrschaft des Verbrechens. Die kriminellen Projekte werden minutiös ausgeführt – doch von wem? … Mit dem Remake des hellseherischen Fritz-Lang-Klassikers von 1933 läuft Produzent Artur Brauner nach zwei belanglosen Mabuse-Trivialisierungen endlich zu großer kleiner Form auf, indem er Werner Klingler eine ironisch-burleske Pulp-Parodie der meisterhaften Vorlage in Szene setzen läßt: Der Erzhalunke lauert wie eine Spinne in einem Netz aus Schatten; Mortimer (Charles Regnier), der Adlatus des phantomhaften Bösewichts, trägt ein keckes Gaunerhütchen und schmaucht noch im Abnippeln Zigarren erster Sorte; Ganoven heißen (ganz plakativ) Paragraphen-Joe oder Lachgas-Frankie, Kurzschluß-Henry oder Jeton-Eddie (»gespielt« von Rolf Eden); es werden Goldtransporter wie Nilpferde gejagt und Diamanten geräubert, es werden Eisenbahnwaggons entführt und Kommissare lustvoll gefoltert; Gert Fröbe (bauernschlau) und Harald Juhnke (begriffsstutzig) verkörpern die Repräsentanten von Recht und Ordnung, die (ohne sich mit kriminalistischem Ruhm bekleckert zu haben) das Böse schließlich im Sumpf versinken sehen … vorerst, wie man vermuten darf. Anders als das Original will die Neuverfilmung nicht metaphorisch über ihre Zeit sprechen, nicht sinnbildlich die reale Welt reflektieren. »Das Testament des Dr. Mabuse« kreiert bewußt eine parallele Zeit, eine imaginäre Welt – und setzt den zerstörerischen Irrwitz menschlichen Strebens als quatschiges Possenspiel in Szene.
R Werner Klingler B Ladislas Fodor, Robert A. Stemmle V Norbert Jacques, Thea von Harbou K Albert Benitz M Raimund Rosenberger A Helmut Nentwig, Paul Markwitz S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Gert Fröbe, Wolfgang Preiss, Charles Regnier, Helmut Schmid, Walter Rilla, Senta Berger | BRD & F & I | 88 min | 1:1,66 | sw | 7. September 1962
R Werner Klingler B Ladislas Fodor, Robert A. Stemmle V Norbert Jacques, Thea von Harbou K Albert Benitz M Raimund Rosenberger A Helmut Nentwig, Paul Markwitz S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Gert Fröbe, Wolfgang Preiss, Charles Regnier, Helmut Schmid, Walter Rilla, Senta Berger | BRD & F & I | 88 min | 1:1,66 | sw | 7. September 1962
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Fröbe,
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Klingler,
Klinik,
Krimi,
Polizei,
Senta Berger,
Stemmle,
Terrorismus,
Thriller
6.9.62
Cronaca familiare (Valerio Zurlini, 1962)
Tagebuch eines Sünders
Die melodramatische Geschichte eines florentinischen Brüderpaars zwischen zwei Kriegsenden: am Ende des Ersten Weltkriegs ist Enrico acht Jahre alt, und Lorenzo wurde gerade geboren, am Ende des Zweiten Weltkriegs stirbt Lorenzo an einer rätselhaften Krankheit, und Enrico erinnert sich wehmütig an Stationen ihrer ambivalenten Beziehung. Während der Ältere nach dem frühen Tod der Mutter von der liebevollen Großmutter in ärmlichen Verhältnissen großgezogen wird und sein karges Brot späterhin als systemkritischer Journalist in Rom verdient, wächst der Jüngere unter der Obhut des dünkelhaften Butlers eines begüterten Engländers auf, ohne je seinen Platz im Leben zu finden. Valerio Zurlini blendet die konkreten historischen Umstände der Erzählung – faschistische Diktatur und katastrophales Kriegsgeschehen – weitgehend aus, stilisiert die Orte der episodischen Handlung zu bühnenhaften (von Giuseppe Rotunno im Geist der pittura metafisica fotografierten) Szenerien, konzentriert sich auf das gleichermaßen von Distanz, Entfremdung, Zerrissenheit wie von Intimität, Vertrauen, Zärtlichkeit geprägte Verhältnis der Brüder: Enrico (einfühlsam-resignativ: Marcello Mastroianni) und Lorenzo (verzweifelt-optimistisch: Jacques Perrin) scheinen einander in der Begegnung so fern, so nah wie im Getrenntsein.
R Valerio Zurlini B Valerio Zurlini, Mario Missiroli, Vasco Pratolini V Vasco Pratolini K Giuseppe Rotunno M Goffredo Petrassi A Flavio Mogherini S Mario Serandrei P Goffredo Lombardo D Marcello Mastroianni, Jacques Perrin, Sylvie, Salvo Randone | I & F | 113 min | 1:1,85 | f | 6. September 1962
# 1165 | 10. Juli 2019
Die melodramatische Geschichte eines florentinischen Brüderpaars zwischen zwei Kriegsenden: am Ende des Ersten Weltkriegs ist Enrico acht Jahre alt, und Lorenzo wurde gerade geboren, am Ende des Zweiten Weltkriegs stirbt Lorenzo an einer rätselhaften Krankheit, und Enrico erinnert sich wehmütig an Stationen ihrer ambivalenten Beziehung. Während der Ältere nach dem frühen Tod der Mutter von der liebevollen Großmutter in ärmlichen Verhältnissen großgezogen wird und sein karges Brot späterhin als systemkritischer Journalist in Rom verdient, wächst der Jüngere unter der Obhut des dünkelhaften Butlers eines begüterten Engländers auf, ohne je seinen Platz im Leben zu finden. Valerio Zurlini blendet die konkreten historischen Umstände der Erzählung – faschistische Diktatur und katastrophales Kriegsgeschehen – weitgehend aus, stilisiert die Orte der episodischen Handlung zu bühnenhaften (von Giuseppe Rotunno im Geist der pittura metafisica fotografierten) Szenerien, konzentriert sich auf das gleichermaßen von Distanz, Entfremdung, Zerrissenheit wie von Intimität, Vertrauen, Zärtlichkeit geprägte Verhältnis der Brüder: Enrico (einfühlsam-resignativ: Marcello Mastroianni) und Lorenzo (verzweifelt-optimistisch: Jacques Perrin) scheinen einander in der Begegnung so fern, so nah wie im Getrenntsein.
R Valerio Zurlini B Valerio Zurlini, Mario Missiroli, Vasco Pratolini V Vasco Pratolini K Giuseppe Rotunno M Goffredo Petrassi A Flavio Mogherini S Mario Serandrei P Goffredo Lombardo D Marcello Mastroianni, Jacques Perrin, Sylvie, Salvo Randone | I & F | 113 min | 1:1,85 | f | 6. September 1962
# 1165 | 10. Juli 2019
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Mastroianni,
Melodram,
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Tod,
Zurlini,
Zweiter Weltkrieg
28.8.62
Vivre sa vie (Jean-Luc Godard, 1962)
Die Geschichte der Nana S.
Etwa so: Nana (Anna Karina) verläßt Ehemann und Kind. Nana geht anschaffen. Ein Lude nimmt Nana unter seine Fittiche. Nana verliebt sich in einen jungen Mann, der Bücher liest. Es geht böse aus. Oder so: Ein Bistro. Ein Schallplattengeschäft. Ein Hinterhof. Ein Kino. Die Polizei. Ein Bürgersteig. Ein Café. Die Champs-Elysées. Ein Hotelzimmer. Viele Hotelzimmer. Eine Straßenecke in der Banlieu. Oder ganz anders: Ein Kopf im Profil (von links gesehen). Ein Kopf en face. Ein Kopf im Profil (von rechts gesehen). Jean-Luc Godards Film umkreist in zwölf fragmentarischen Kapiteln (zu herzergreifender Musik von Michel Legrand und in monumental-einfachen Bildern von Raoul Coutard) eine Frau, die ihr Leben leben will. Ihr. Leben. Immer wieder gelingt es ihr (kurz), ganz bei sich zu sein, ganz im Moment aufzugehen: Wenn sie Dreyers »La passion de Jeanne d’Arc« auf der Leinwand sieht. Wenn sie in einem Café ein Chanson hört. Wenn sie um einen Billardtisch herumtanzt. Wenn sie mit einem Unbekannten philosophiert (ohne es zu wissen). Wenn sie mit einem jungen Mann Pläne macht. Immer wieder (bis sie tot auf dem Pflaster liegt) fragt sich Nana, ob sie glücklich ist. Die Frage, ob man in dieser Welt des Kaufens und Verkaufens überhaupt glücklich sein kann, läßt »Vivre sa vie« offen. Doch selbst wenn man es sein könnte: »Le bonheur n’est pas gai.«
R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard M Michel Legrand S Agnès Guillemot P Pierre Braunberger D Anna Karina, Sady Rebbot, Guylaine Schlumberger, Pierre Kassowitz, Brice Parain | F l 80 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1962
Etwa so: Nana (Anna Karina) verläßt Ehemann und Kind. Nana geht anschaffen. Ein Lude nimmt Nana unter seine Fittiche. Nana verliebt sich in einen jungen Mann, der Bücher liest. Es geht böse aus. Oder so: Ein Bistro. Ein Schallplattengeschäft. Ein Hinterhof. Ein Kino. Die Polizei. Ein Bürgersteig. Ein Café. Die Champs-Elysées. Ein Hotelzimmer. Viele Hotelzimmer. Eine Straßenecke in der Banlieu. Oder ganz anders: Ein Kopf im Profil (von links gesehen). Ein Kopf en face. Ein Kopf im Profil (von rechts gesehen). Jean-Luc Godards Film umkreist in zwölf fragmentarischen Kapiteln (zu herzergreifender Musik von Michel Legrand und in monumental-einfachen Bildern von Raoul Coutard) eine Frau, die ihr Leben leben will. Ihr. Leben. Immer wieder gelingt es ihr (kurz), ganz bei sich zu sein, ganz im Moment aufzugehen: Wenn sie Dreyers »La passion de Jeanne d’Arc« auf der Leinwand sieht. Wenn sie in einem Café ein Chanson hört. Wenn sie um einen Billardtisch herumtanzt. Wenn sie mit einem Unbekannten philosophiert (ohne es zu wissen). Wenn sie mit einem jungen Mann Pläne macht. Immer wieder (bis sie tot auf dem Pflaster liegt) fragt sich Nana, ob sie glücklich ist. Die Frage, ob man in dieser Welt des Kaufens und Verkaufens überhaupt glücklich sein kann, läßt »Vivre sa vie« offen. Doch selbst wenn man es sein könnte: »Le bonheur n’est pas gai.«
R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard M Michel Legrand S Agnès Guillemot P Pierre Braunberger D Anna Karina, Sady Rebbot, Guylaine Schlumberger, Pierre Kassowitz, Brice Parain | F l 80 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1962
Labels:
Godard,
Karina,
Melodram,
Nouvelle Vague,
Paris,
Prostitution,
Romanze
26.7.62
The Notorious Landlady (Richard Quine, 1962)
Noch Zimmer frei
Jack Lemmon als amerikanischer Diplomat in London, der bei Kim Novak einzieht, von der er nicht ahnt, daß sie allseits des Gattenmordes verdächtigt wird. Als er es schließlich spitzkriegt, ist es ihm herzlich egal… Fred Astaire spielt den US-Botschafter, der weiß, wie der Hase läuft: »The higher up you go, the more mistakes you’re allowed. Right at the top, if you make enough of them, it’s considered to be your style.« Regisseur Richard Quine und Autor Blake Edwards machen ebenfalls einen Fehler nach dem anderen und daraus so etwas wie ein höheres Prinzip: Der Film ist ein heilloses Durcheinander aus romantic comedy, murder mystery und slapstick, gerade so als hätten Billy Wilder und Miss Jane Marple (ganz à la Queen Mum) eine oder zwei Flaschen Gin in ihren Five O’Clock Tea geschüttet und gemeinsam eine nebulöse Krimiplotte zusammengeschustert, die zwar vorne und (vor allem) hinten nicht stimmt – aber von der Seite betrachtet ganz gut aussieht.
R Richard Quine B Blake Edwards, Larry Gelbart V Margery Sharp K Arthur E. Arling M George Duning A Cary Odell S Charles Nelson P Richard Quine, Fred Kohlmar D Kim Novak, Jack Lemmon, Fred Astaire, Lionel Jeffries, Estelle Winwood | USA | 123 min | 1:1,85 | sw | 26. Juli 1962
Jack Lemmon als amerikanischer Diplomat in London, der bei Kim Novak einzieht, von der er nicht ahnt, daß sie allseits des Gattenmordes verdächtigt wird. Als er es schließlich spitzkriegt, ist es ihm herzlich egal… Fred Astaire spielt den US-Botschafter, der weiß, wie der Hase läuft: »The higher up you go, the more mistakes you’re allowed. Right at the top, if you make enough of them, it’s considered to be your style.« Regisseur Richard Quine und Autor Blake Edwards machen ebenfalls einen Fehler nach dem anderen und daraus so etwas wie ein höheres Prinzip: Der Film ist ein heilloses Durcheinander aus romantic comedy, murder mystery und slapstick, gerade so als hätten Billy Wilder und Miss Jane Marple (ganz à la Queen Mum) eine oder zwei Flaschen Gin in ihren Five O’Clock Tea geschüttet und gemeinsam eine nebulöse Krimiplotte zusammengeschustert, die zwar vorne und (vor allem) hinten nicht stimmt – aber von der Seite betrachtet ganz gut aussieht.
R Richard Quine B Blake Edwards, Larry Gelbart V Margery Sharp K Arthur E. Arling M George Duning A Cary Odell S Charles Nelson P Richard Quine, Fred Kohlmar D Kim Novak, Jack Lemmon, Fred Astaire, Lionel Jeffries, Estelle Winwood | USA | 123 min | 1:1,85 | sw | 26. Juli 1962
7.7.62
Revue um Mitternacht (Gottfried Kolditz, 1962)
Ein Defa-Film im Defa-Film: Produktionsleiter Kruse hat sich verpflichtet, das real-existierende Unterhaltungsbedürfnis der deutsch-demokratischen Arbeiter- und Bauernschaft durch Herstellung einer heiter-schwungvollen Kinorevue zu erfüllen. Weil die dazu nötigen kreativen Mitstreiter (Komponist, Dramaturg, Architekt, Autor) nicht so wollen, wie sie sollen, werden sie kurzerhand entführt und zur künstlerischen Teilnahme verdonnert ... Es scheint, als sei »Revue um Mitternacht« – schön breit und farbenfroh in Totalscope und Agfacolor – auf ebendiese Weise entstanden: So wurde unter der gleichgültigen Regie von Gottfried Kolditz ein wahlloses An-, Nach- und Durcheinander von beliebigen Tanz-, Sing- und Spielszenen zusammengeflickt, das so heiter und schwungvoll daherkommt wie ein bunter Abend bei der Zentralen Parteikontrollkommission. Weder die Melodien des sozialistischen Operettenkönigs Gerd Natschinski (»Messeschlager Gisela«) noch Manfred Krug in der Rolle eines von der leichten Muse geküßten Rohrlegers können helfen, das Plansoll an filmischer Kurzweil zu erfüllen.
R Gottfried Kolditz B Kurt Bortfeldt, Gerhard Bengsch K Erich Gusko M Gerd Natschinski A Alfred Tolle S Hilde Tegener P Erich Kühne D Manfred Krug, Christel Bodenstein, Werner Lierck, Hans Klering, Gerry Wolff | DDR | 104 min | 1:2,35 | f | 7. Juli 1962
# 1030 | 8. November 2016
R Gottfried Kolditz B Kurt Bortfeldt, Gerhard Bengsch K Erich Gusko M Gerd Natschinski A Alfred Tolle S Hilde Tegener P Erich Kühne D Manfred Krug, Christel Bodenstein, Werner Lierck, Hans Klering, Gerry Wolff | DDR | 104 min | 1:2,35 | f | 7. Juli 1962
# 1030 | 8. November 2016
1.7.62
Otoshiana (Hiroshi Teshigahara, 1962)
Die Fallgrube
Ein Tagelöhner, der auf der Suche nach Arbeit mit seinem kleinen Sohn durch triste, fast menschenleere Landschaften zieht, wird von einem mysteriösen Herrn, der einen weißen Anzug trägt, ohne ersichtlichen Grund erstochen. Der Tote steht auf und versucht als Geist, die Hintergründe seiner Ermordung aufzuklären. Zeugen sagen der Polizei die Unwahrheit über den Hergang des Verbrechens. Doppelgänger treten auf den Plan. Rivalisierende Gewerkschaften scheinen eine Rolle zu spielen... Erzählt Hiroshi Teshigahara eine neoveristische Geistergeschichte? Einen phantastischer Verschwörungsthriller? Oder eine allegorische Gesellschaftsstudie? »Otoshiana« ist eine rätselhafte Etüde über die Farbe Weiß. Eine multiperspektivische Beobachtung der condition humaine. Und eine ergebnislose Sinnsuche – die Antwort des Films auf die Kernfrage »Warum?« lautet, daß alles genau so geschehen ist, wie es geplant war.
R Hiroshi Teshigahara B Kobo Abe K Hiroshi Segawa M Toru Takemitsu A Kiyoshi Awazu S Fusako Shuzui P Tadashi Ono D Hisashi Igawa, Sumie Sasaki, Sen Yano, Hideo Kanze, Kunie Tanaka | JP | 97 min | 1:1,37 | sw | 1. Juli 1962
Ein Tagelöhner, der auf der Suche nach Arbeit mit seinem kleinen Sohn durch triste, fast menschenleere Landschaften zieht, wird von einem mysteriösen Herrn, der einen weißen Anzug trägt, ohne ersichtlichen Grund erstochen. Der Tote steht auf und versucht als Geist, die Hintergründe seiner Ermordung aufzuklären. Zeugen sagen der Polizei die Unwahrheit über den Hergang des Verbrechens. Doppelgänger treten auf den Plan. Rivalisierende Gewerkschaften scheinen eine Rolle zu spielen... Erzählt Hiroshi Teshigahara eine neoveristische Geistergeschichte? Einen phantastischer Verschwörungsthriller? Oder eine allegorische Gesellschaftsstudie? »Otoshiana« ist eine rätselhafte Etüde über die Farbe Weiß. Eine multiperspektivische Beobachtung der condition humaine. Und eine ergebnislose Sinnsuche – die Antwort des Films auf die Kernfrage »Warum?« lautet, daß alles genau so geschehen ist, wie es geplant war.
R Hiroshi Teshigahara B Kobo Abe K Hiroshi Segawa M Toru Takemitsu A Kiyoshi Awazu S Fusako Shuzui P Tadashi Ono D Hisashi Igawa, Sumie Sasaki, Sen Yano, Hideo Kanze, Kunie Tanaka | JP | 97 min | 1:1,37 | sw | 1. Juli 1962
Labels:
Abe,
Drama,
Gesellschaft,
Krimi,
Phantastik,
Teshigahara,
Tod
Kuro no tesuto kaa (Yasuzo Masumura, 1962)
Der schwarze Testwagen
Das titelgebende Fahrzeug ist ein Prototyp des revolutionären Sportwagens ›Pioneer‹, mit dem die ›Tiger Corporation‹ den japanischen Automobilmarkt aufrollen will. Aber die Konkurrenz schläft nicht – und Chefentwickler Onoda (obsessiv: Hideo Takamatsu) sieht sich gezwungen, sein Baby (»Ein Design wie von Michelangelo!«) gegen Kundschafter und Saboteure des rivalisierenden Konzerns ›Yamato‹ zu verteidigen. Dazu sind ihm genau jene Mittel recht, derer sich auch die andere Seite befleißigt: Diebstahl und Erpressung, Spionage und Prostitution – natürlich alles zum Wohle der großen Sache, des Unternehmens, des Erfolges. Yasuzo Masumura erzählt in seinem sardonischen Industriethriller die Geschichte einer déformation professionelle im Turbokapitalismus. Die schwarzweißen Daieiscope-Bilder (Kamera: Yoshihisa Nakagawa) sind so hart wie die herrschenden Verhältnisse. Ethische Bedenken kommen unter die Räder – und wer nicht mitmachen will, wer aussteigt, kann nur noch den entschwindenen Rücklichtern seiner verlorenen Zukunft hinterherschauen.
R Yasuzo Masumura B Kazuro Funabashi, Yoshihiro Ishimatsu V Sueyuki Kajiyama K Yoshihisa Nakagawa M Sei Ikeno S Tatsuji Nakashizu D Jiro Tamiya, Junko Kano, Eiji Funakoshi, Hideo Takamatsu, Ichiro Sugai | JP | 95 min | 1:2,35 | sw | 1. Juli 1962
Das titelgebende Fahrzeug ist ein Prototyp des revolutionären Sportwagens ›Pioneer‹, mit dem die ›Tiger Corporation‹ den japanischen Automobilmarkt aufrollen will. Aber die Konkurrenz schläft nicht – und Chefentwickler Onoda (obsessiv: Hideo Takamatsu) sieht sich gezwungen, sein Baby (»Ein Design wie von Michelangelo!«) gegen Kundschafter und Saboteure des rivalisierenden Konzerns ›Yamato‹ zu verteidigen. Dazu sind ihm genau jene Mittel recht, derer sich auch die andere Seite befleißigt: Diebstahl und Erpressung, Spionage und Prostitution – natürlich alles zum Wohle der großen Sache, des Unternehmens, des Erfolges. Yasuzo Masumura erzählt in seinem sardonischen Industriethriller die Geschichte einer déformation professionelle im Turbokapitalismus. Die schwarzweißen Daieiscope-Bilder (Kamera: Yoshihisa Nakagawa) sind so hart wie die herrschenden Verhältnisse. Ethische Bedenken kommen unter die Räder – und wer nicht mitmachen will, wer aussteigt, kann nur noch den entschwindenen Rücklichtern seiner verlorenen Zukunft hinterherschauen.
R Yasuzo Masumura B Kazuro Funabashi, Yoshihiro Ishimatsu V Sueyuki Kajiyama K Yoshihisa Nakagawa M Sei Ikeno S Tatsuji Nakashizu D Jiro Tamiya, Junko Kano, Eiji Funakoshi, Hideo Takamatsu, Ichiro Sugai | JP | 95 min | 1:2,35 | sw | 1. Juli 1962
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